Kiezgesellschaft am 2. März 2016:
Ein Abend in kleinen Kreisen

Flyer zur KiezGesellschaft am 02.03.2016

Flyer zur KiezGesellschaft am 02.03.2016

Der erste Abend der offenen Kiezgesellschaft war ein Erfolg für diejenigen, die teilgenommen hatten.
Die KollektivBar ES war vorbereitet gewesen, es gab guten Wein von der Weinhandlung von Eisen, den wir zum Solipreis verkaufen konnten, und frischgeschnittene Möhren- und Gurkenstückchen, welche die Biosphäre uns gespendet hatte. Das Mikrofon stand und der Plattenspieler war aufgebaut. Wir waren bereit!

In der Vorbereitungsphase hatten wir mit den Tücken der Selbstorganisierung zu kämpfen: Weil uns gleich zwei Grafiker abgesprungen waren, mussten wir das Werbeposter und den Flyer selber entwickeln, was uns mit unseren beschränkten Photoshop-Kenntnissen nicht wenig Mühe bereitete. Immerhin arbeiten wir ja nebenher und kümmern uns zeitgleich noch um andere Bereiche der Kiezversammlung oder um den Kampf gegen den Investor im eigenen Haus. Der Bewerbungszeitraum für die Veranstaltung war dementsprechend kurz – aber zu Beginn des Abends waren wir trotzdem euphorisch und gespannt!

kiezgesellschaft_06.03.2016Unser Konzept für das erste Mal war, den Rahmen so offen wie möglich zu halten, sodass die Einzelnen ihn nach den eigenen Bedürfnissen ausgestalten konnten. An eine Anmoderation hatten wir nur rudimentär gedacht, weil wir davon ausgingen, dass die Leute das Bedürfnis zum Sprechen mitbringen würden. Es zeigte sich, dass dies auch der Fall war – nur war auch die Hemmschwelle vor dem Mikrofon recht groß, und niemand wollte den ersten Schritt machen. Die Gespräche verliefen demnach auf der direkteren zwischenmenschlichen Ebene. So ähnelte der erste Abend der offenen Kiezgesellschaft eher einer Ansammlung verschiedener Grüppchen, wie verschiedener Stämme, mit ihrer je eigenen Dynamik.

Es war schön zu sehen, dass mehrere Mitglieder der Hausgemeinschaft LeBrecht aus dem Eckhaus Lenaustrasse/Hobrechtstrasse anwesend waren, nur leider blieben sie auch unter sich. Irgendwo verständlich – ist doch ihr Haus gerade frisch verkauft worden, und die meisten sind ganz neu in selbstorganisierten stadtpolitischen Zusammenhängen. Schade, dass sie nicht mehr Zeit mitgebracht hatten, es wäre schön gewesen, sich etwas mehr kennen zu lernen. In einem anderen Gespräch erzählte die Bewohnerin eines Hauses im Gräfekiez von ihrem langwierigen Kampf als Einzige gegen ihren Vermieter, der Eigenbedarf angemeldet hat. Keine leichte Situation, und schon gar nicht, wenn man alleine kämpft. Trotz ihrer spürbaren Ermüdung hielt sie jedoch überzeugt an ihrem Kurs fest und betonte, dass sie bis zur letzten Sekunde um ihre Wohnung kämpfen werde. Es wäre schön, wenn sie über die Kiezversammlung Verbündete finden würde!

Je später der Abend wurde, umso mehr leerten sich die Tische. Aber umso besser wurde die Musik – lag vielleicht daran, dass diejenigen, die blieben, sich nicht den Spaß verderben ließen. Um den Plattenspieler versammelt wie um das Lagerfeuer, bildeten wir einen eigenen kleinen Stamm, es wurde getrunken und geraucht und Geschichten von früher wurden ausgetauscht: Die alteingesessenen Berliner erzählten von ihrer Schulzeit, ihrer ersten eigenen Wohnung in Kreuzberg in den 90ern und von Rock-Konzerten in Locations, die es heute nicht mehr gibt. Alte und neue Zugezogene erzählten von ihrer Vergangenheit, von Feriencamps in Griechenland, der politischen Situation dort seit dem Beginn Krise und ihren ersten Hausplena in Rixdorfer Kellern. Der Abend klang aus mit „Space Oddity“ von David Matthews…

Wir freuen uns schon auf das nächste Mal:
Mittwoch, den 6.April !