Kiezgesellschaft am 6. April 2016:
Zweiter Abend, zwei Gäste-Projekte

Flyer Vorderseite

Flyer Vorderseite

Der Kiezaden Friedel54 hat jemanden vorbei geschickt, der uns ein wenig mehr zum Projekt erzählt hat. Das Projekt in der Friedelstrasse 54 gibt es nun seit 12 Jahren, und ist ein offener Raum für eine Vielzahl an politischen und kulturellen Projekten: Küfas (Essen gegen Spende), Rechtsberatungen, Soliparties, Filmabenden, Siebdruckwerkstatt und und und.

Am Anfang sogar vom Bezirk gern in der Nachbarschaft gesehen (die Logik geht wohl so: „kulturelle Angebote sind erstmal gut, denn sie machen den Kiez attraktiv. Für später sorgt dann schon der freie Immobilienmarkt…“) wurde der Friedel nun gekündigt. Aber die Betreiber_Innen denken gar nicht daran, ihren Raum einfach so aufzugeben, und sind sogar nach Wien gefahren, um direkte Gespräche mit ihrem Vermieter – einer großen international agierenden Immobilienfirma – zu suchen. Respect!

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Flyer Rückseite

Wir müssen gestehen: wir hegen der Friedel gegenüber besondere Gefühle der Solidarität, schliesslich ging von ihr die Initiative für eine Kiezversammlung in Neukölln aus. Gleichzeitig wissen wir zuweilen nicht, wie wir sie mehr unterstützen können, denn die Friedel wirkt nach aussen hin manchmal recht verschlossen – was nicht am hässlichen Baugerüst liegt, das ihr Vermieter ihr seit Jahren vor die Fassade gesetzt hat. Im offenen Gespräch kam dann auch die Frage auf, warum linken Projekten oft diese Aura der Verschlossenheit anhaftet. Die Antwort fiel überraschend klar aus: Es gibt eine reale Angst vor zivilen Polizeibeamten, die sich unter das Publikum mischen, um nach Informationen zu spionieren. Das verunsichert die Menschen, sodass sie lieber unter sich bleiben.

Dennoch sieht sich die Friedel als Teil der Nachbarschaft und ist Kooperationen mit anderen lokalen Projekten gegenüber aufgeschlossen – zu nennen wäre hier z.B. ein Siebdruck-Stand auf dem Frühlingsfest des Jugendclubs Manege. Und für diesen Juli ist ein Straßenfest in Planung. Wir freuen uns drauf!

Vom Verein Give Something Back To Berlin kamen gleich zwei Leute. Der Verein koordiniert ein berlinweites Netzwerk an sozialen Projekten von Musikunterricht und Kunstprojekten bis hin zu Yoga-Kursen und Übersetzungsprojekten, und bietet zugezogenen, aber auch ansässigen Berliner und Berlinerinnen die Kontaktaufnahme zu diesen an.

Wir haben viel darüber diskutiert, wie schwierig es ist für die im Grunde ehrenamtlichen Koordinatoren und Koordinatorinnen, die Arbeit auf einem so professionellen Level zu halten, und wie schwierig die Gratwanderung ist zwischen apolitischem Projektmanagement und dem Wunsch, sich für die Menschen einzusetzen, die in den Projekten involviert sind. Denn GSBTB, wie sich der Verein stolz abkürzt, ist bereits seit 2013 an Pojekten von und für Refugees beteiligt, und gehört zu den wenigen Akteuren, die vom Kreuzberger Bezirk die Genehmigung zum Betreten der ehemals besetzten Gerhard-Hauptmann-Schule erhalten haben.

Das Engagement innerhalb der Szene des „social entrepreneurship“ ist keine leichte Sache: du musst dich dauerhaft von deiner besten Seite präsentieren, dich laufend für Geldtöpfe bewerben und auf Preisverleihungen lächeln, die finanziell keine großen Vorteile für dein Vorankommen bringen, und darfst eben nicht zu politisch sein. Es handelt sich um einen Markt, auf dem du dich anbietest, und das macht soziales Engagement nicht gerade leicht….

Trotzdem sind die Betreibenden mit Herz bei der Sache, und auch, wenn mal ein Projekt nicht so gut funktioniert – genannt wurde das Beispiel einer konkreten Kooperation mit dem Nachbarschaftszentrum Elele – versuchen sie, die richtigen Leute an die richtige Stelle zu vermitteln, und Aktive langfristig einzubinden. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg!

Uns hat das Gespräch total Spaß gemacht, die Stimmung auf der 2. offenen Kiezgesellschaft war wunderbar, und alle waren bei bester Laune. Wir freuen uns schon auf das nächste Mal: Mittwoch, der 4. Mai selber Ort, selbe Zeit!